Laozi ist nach Niederschrift des Daodejing in westlicher Richtung verschwunden, sagt man.


Und wieder etwas ganz anderes in unserm Blog: Ich habe ein bisschen alte chinesische Philosophie (oder ist es doch Religion?) getrieben. Laozis „Daodejing“ ist zeitlich wie örtlich weit von uns hier im Westen weg. Verstehen können wir es allenfalls durch Vergleiche – und ob die immer stimmen?

Ciceros Buch über das Alter – eigentlich ein Plagiat, aber eines, das die entsprechenden Diskussionen auf Jahrhunderte geprägt hat


Wie Monty Python gesagt hätte: And now to something completely the same. Inspiriert durch Simone de Beauvoir, die sich in ihrem Buch über das Alter des öfteren auf ihn beruft, habe ich Ciceros „Cato maior de senectute“ („Cato der Ältere über das Alter“) gelesen. Eigentlich ein Plagiat aus Platons Staat ist es doch rund und lesenswert geraten. Auch hat es die Diskussionen über das Alter für die folgenden Jahrhunderte wirksam geprägt.

Ein Konzert in Gedenken an und zur Feier des 100. Geburtstags von Pierre Boulez


litteratur.ch war wieder einmal an einem Konzertabend. Dieses Mal waren es praktisch nur Komponisten mit Werke aus dem 20. und dem 21. Jahrhundert. Unter anderem feierten wir den 100. Geburtstag von Pierre Boulez. Persönlich empfinde ich diese Musik immer als anstrengend, vielleicht, weil ich da zu sehr mit dem Kopf folge (folgen muss). Je nun – interessant war es auf jeden Fall.

Die ersten beiden Bände von H. Freys groß angelegter Geschichte der deutschen Science Fiction seit dem Vormärz: eine Fundgrube


Hans Frey: „Fortschritt und Fiasko“ und „Aufbruch in den Abgrund“ in einem Band. Das sind die ersten beiden Bände von Freys auf 6 Bände angelegten Geschichte der deutschen Science Fiction. Im Detail, außerhalb von Hans Freys Spezialgebiet, habe ich einige Vorbehalte, beim eigentlichen Thema ist das Buch eine wahre Fundgrube. Allerdings liest man die beiden Bücher vielleicht besser punktuell als von vorne nach hinten.

Wenn man nur noch bekannt ist, weil man mit einem Star der Szene befreundet war: Ewald Christian von Kleist


Heute zwei Texte Ewald Christian von Kleists näher vorgestellt, „Der Frühling“ und „Seneka. Ein Traurspiel“. Kleist dichtete zwar auch anakreontisch, weist aber in diesen beiden Texten über sich und seine Zeit hinaus. Das Gedicht „Der Frühling“ trägt bereits Züge des Realismus; das Drama um den römischen Philosophen und Politiker Seneca weist mit der realistischen Darstellung eines Selbstmordes auf offener Bühne sogar ins 20. Jahrhundert voraus.

Wenn du dir de facto eine Dublette eingehandelt hast …


Sehr unbefriedigend und deshalb nur ganz kurz und knapp ein Büchlein abgehandelt, das ich nur aus der Not heraus gekauft hatte, weil es vom Autor Saint-Pol-Roux selbst auf Französisch nur wenig gibt. Ich hätte es mir aber im Grunde genommen sparen können. Etwas für Sentenzenjäger:innen auf Social Media.

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Briefe zur Geschichte des Wiener Kreises von Carnap und Neurath


Da hat man neulich die Frage an mich gerichtet, ob ich gerade einen lyrische Phase hätte. Nun gut: Ein bisschen logisch-philosophischer Briefwechsel gefällig? (Nämlich von Carnap und Neurath, die zu den bekanntesten Mitgliedern des so genannten „Wiener Kreises“ zählten.)

10 Elegien in 10 Jahren - Arno Schmidt hätte sich krank gelacht


Das Jubiläumsjahr war für mich Anlass, im Blog von den „Duineser Elegien“ des René Karl Wilhelm Johann Josef Maria (genannt Rainer Maria) Rilke zu schwärmen. Abermals eine absolute Leseempfehlung, wenn auch nicht für Lyrik-Anfänger:innen. (Dafür gibt es bei Rilke aber auch Schönes.)

Als Sainte-Beuve für Proust zur Findung der eigenen poetologischen Position wichtig war …


Wer die „Suche nach der verlorenen Zeit“ kennt, wird früher oder später auch auf „Contre Sainte-Beuve“ von Marcel Proust stoßen, jenen seltsamen, aus Fragmenten zusammengestoppelten Text, der wohl nicht in der heute vorliegenden Form geplant war. Interessant im Detail, chaotisch im Ganzen. Und ein philologisches Ärgernis.

Die „Mann twins“ on the road


Nicht alle Reiseberichte gelingen. Selbst dann nicht, wenn sie von Mitgliedern der berühmten Mann-Familie stammen. Hier zum Beispiel ein weniger gelungene Bericht der „Mann twins“ über ihre Weltreise von 1927/28 – Erika & Klaus Mann: Rundherum. Da hilft auch eine Spezialausgabe mit allen Fotos des Originals wenig.


Links und rechts zwei weiße Streifen, in der Mitte stehen vor einer kubistisch gemalten Landschaft in Blautönen zwei Zwiebeltürme in rot, gelb und ocker. Ausschnitt aus einem Gemälde von Aristarkh Lentulov (Churches, New Jerusalem [Церкви. Новый Иерусалим], 1917), das für das Buchcover verwendet wurde.

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Sie musste schreiben: Kurzgeschichten, Briefe. Adelheid Duvanel


Noch eine Briefedition. Vor dieser hier bin ich lange zurückgeschreckt, denn Adelheid Duvanels Briefe an ihre Freundin und Schriftstellerkollegin Maja Beutler und an ihren Lektor bei Luchterhand sind alles andere als fröhlich. Duvanel schreibt offen über ihre Probleme mit dem Mann, der Tochter und den Drogen. Starker Tobak.

Sie musste schreiben: Kurzgeschichten, Briefe. Adelheid Duvanel


Noch eine Briefedition. Vor dieser hier bin ich lange zurückgeschreckt, denn Adelheid Duvanels Briefe an ihre Freundin und Schriftstellerkollegin Maja Beutler und an ihren Lektor bei Luchterhand sind alles andere als fröhlich. Duvanel schreibt offen über ihre Probleme mit dem Mann, der Tochter und den Drogen. Starker Tobak.

Meta Moller und das 18. Jahrhundert


Weil es so schön war vorgestern, stelle ich heute nochmals einen letzten Band eines Briefwechsels vor – dieses Mal den von Meta Klopstock mit ihrem Mann, Verwandten und Freunden. Auch hier sind vorwiegend Erläuterungen zu finden. Und ein überraschend guter, um nicht zu sagen: ausgezeichneter, Essay „Meta Moller und das 18. Jahrhundert“ des Kieler Germanisten Erich Trunz.
Paul Hübscher hat dies geteilt

Werner Bergengruen, ein weitgehend vergessener Romancier. Zu Recht? Schwer zu sagen, schon eine etwas eigenwillige Lektüre.
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#literatur

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„Le Horla“ – Wenn Phantasie und Realität sich mischen


Soeben verbloggt: Einige der phantastischen Horror-Geschichten des französischen Autors Guy de Maupassant (darunter prominent: „Le Horla“ – meiner Meinung nach die beste französische Horror-Geschichte überhaupt). Daneben habe ich mich aber auch über die, wie ich finde, pädagogisch sehr gut aufbereitete Ausgabe für die Schule gefreut, die ich dieses Mal gelesen habe.

Ein weiblicher Blaubart – Rachilde zeigte schon früh ihr Können


Als Mittwochs-Lektüre stellen wir (vorläufig zum letzten Mal) einen Roman der französischen Skandalautorin Rachilde vor. Er stammt ebenfalls aus ihrer frühen Schaffensperiode. Noch ein bisschen auf der Suche nach ihrem Stil liefert sie eine äußerst bemerkenswerte Geschichte ab. Anders als es der Titel „La Marquise de Sade“ suggeriert, kommen übrigens keine «Schweinereien» darin vor. *ggg*

Wenn Aliens einen Beatles-Song singen und wir nicht bei Douglas Adams sind …


Nach langem wieder einmal Ursula K. Le Guin im Blog, dieses Mal mit daoistischer Science Fiction: „Die Geißel des Himmels“ , übersetzt von Joachim Körber und Hannes Riffel. Alternativwelten, eine daoistische Moral von der Geschicht’ und sogar Aliens. Nicht das Beste von Le Guin, aber immer noch gut.

Rudolf Carnap und der Neukantianismus


Die neukantianischen Wurzeln Rudolf Carnaps und des Wiener Kreises waren mir damals, vor Jahren, bei der ersten Lektüre von Carnaps Der logische Aufbau der Welt nicht bewusst. Jetzt ein kurzer Hinweis darauf im Blog. Da ist mehr geplant, aber das wird noch etwas dauern. Leider.

Wenn du deinen Lieblingsautor von vor Jahrzehnten wieder liest …


„Die Stimmen von Marrakesch“ von Elias Canetti. Jahre lang, Jahrzehnte lang habe ich keinen Canetti mehr gelesen, nachdem er eine Zeitlang für mich der Autor schlechthin war. Die Stimmen von Marrakesch waren nie mein Lieblingstext von ihm, vielleicht auch deshalb doch die leichte Ernüchterung beim Wiederlesen. Sprachlich allerdings immer noch perfekt.

Wir sehen die Kralle der literarischen Löwin. Doch aus Meta Klopstock durfte nie eine werden …


Wir werfen einen Blick auf Band II der Briefe an Klopstock, ihre Verwandten und Freunde von Margareta Klopstock, genannt Meta. Es zeigt sich: Die Frau hatte das Zeug, in der Literatur mitzureden. Leider starb sie früh im Kindbett – das Schicksal so vieler Frauen jener Zeit.

Er war noch jung und er brauchte das Geld – aber er lieferte auch Qualität


Ab heute finden wir einen der frühen SF-Romane des US-Amerikaners Samuel R. Delany im Blog vorgestellt: „Nova“. Er war damals erst 25, was sich sicher bemerkbar macht. Aber auch die Klaue des Löwen spürt man. Für mich persönlich keine schlechte Mischung aus Literaturarchäologie und simplem Lesespaß.

Antike Philosophie für Neulinge und Profis: Lukians „Hermotimos oder Lohnt es sich, Philosophie zu studieren?“


Ich bin ein ungeduldiger Mensch und habe nun, weil Band 4 der neuen Werkausgabe des Lukian auf sich warten lässt, einen alten Band der Reihe „Texte zur Forschung“ der WBG vorgestellt: „Hermotimos oder Lohnt es sich, Philosophie zu studieren?“. Die Reihe wurde eingestellt, lange bevor die WBG als Ganzes den Bach herunter ging. Schade darum, denn gerade solche Texte waren fürs Laienpublikum ebenso interessant wie für Fachleute.

So radikal hat sie sich nie wieder zur Stellung der Frau geäußert


Virginia Woolf hat zwei Essays geschrieben zur Frage der Stellung der Frau in der Gesellschaft. Bekannt ist sicherlich „Ein eigenes Zimmer“, bedeutend radikaler (und zynischer!) ist der 9 Jahre später erschienene „Vom Verachtetwerden oder Drei Guineen“. Das ist schade, denn einiges hat sich zwar seit dessen Veröffentlichung vor rund 100 Jahren geändert, aber im Grundsatz ist er immer noch aktuell.

Wenn das große Ärgernis eines Buchs sein Nachwort ist: „Tuzub 37“ von Paul Gurk im Hirnkost-Verlag


Eine sehr interessante Dystopie des heute als verschollen und vergessen geltenden Autors Paul Gurk aus dem Jahr 1935: „Tuzub 37. Der Mythos von der grauen Menschheit oder von der Zahl 1“. Endlich einmal wieder ein interessanter Text in der Reihe „Wiederentdeckte Schätze der deutschsprachigen Science Fiction“ im Hirnkost-Verlag. Das Nachwort allerdings hätte man sich sparen können.

G7? Untersuchungsrichter Froget? – Simenon hat mehr Ermittler erschaffen als nur Maigret. Und bessere …


Wir kennen Maigret. Aber kennen wir Untersuchungsrichter Froget? Ich jedenfalls nicht, bevor ich auf dieses kleine Kampa-Büchlein stieß. Meiner bescheidenen Meinung nach das Beste, das der Belgier im Krimi-Genre geschaffen hat. (Was, absolut gesehen, allerdings nicht viel heißen will.)

Alois Riehl – heute praktisch vergessen, vor 150 Jahren eine wichtige Stimme des Neukantianismus


Heute ein Versuch, rund 500 dichte philosophiegeschichtliche und philologisch-interpretatorische Arbeit vernünftig zusammen zu fassen – Alois Riehl: „Der philosophische Kritizismus und seine Bedeutung für die positive Wissenschaft. Erster Band ~ Geschichte und Methode des philosophischen Kritizismus“. Der Titel ist so komplex wie das ganze Buch.

CW / Inhaltswarnung des Verlags: „Empfohlen ab 16 Jahren. Enthält Schilderungen von sexuellem Missbrauch und Gewalt.“ Jean D’Amérique: Zerrissene Sonne.


In der Spannung zwischen lyrischer Sprache und teilweise brutalem Inhalt schwebend, ein Roman des jungen haitianischen Schriftstellers Jean D’Amérique: „Zerrissene Sonne“. Die Geschichte spielt im Haiti der Gegenwart und zeigt ein von Gewalt regiertes Land, in dem auch die Liebe letzten Endes keine Chance hat. (Inhaltswarnung des Verlags: „Empfohlen ab 16 Jahren. Enthält Schilderungen von sexuellem Missbrauch und Gewalt.“)

Wenn dein innerer Dämon deiner literarischen Karriere im Weg steht, obwohl du große literarische Qualitäten aufweisen kannst – Joachim Maas




Sozusagen zum Abschluss der Feiertage noch eine kleine aber feine Kurzgeschichte des mir bis dato nicht bekannten Exilautors Joachim Maass: Der Schnee von Nebraska. Elegante Sprache und ein klug konzipierter Kriminalplot machen die paar Seiten zu einem kleinen literarischen Juwel. Ob ich mehr von Maass lesen sollte?

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Der Briefwechsel einer Rokoko-Empfindsamen


Weil es so schön war, habe ich gleich noch einen Briefwechsel im Blog hinterlegt, dieses Mal Band 1 des Briefwechsels von Meta Klopstock, geborene Moller, mit ihrem späteren Mann und weiteren Verwandten und Freunden. Faszinierend, wie frech die junge Frau sein konnte – so gar nicht dem Bild entsprechend, das wir von empfindsamen Fräuleins heute haben. Oder jedenfalls ich hatte.

Herder verliert den Anschluss und wird mürrisch


Zum Jahreswechsel habe ich versucht, an Hand von Band 7 der Briefausgabe nachzuzeichnen, wie Herder den Anschluss an die Deutsche Klassik verlor und auch sonst viel Ärger hatte in Weimar. Da half auch die Freundschaft mit Jean Paul nur wenig.

Bücher, die die Welt nicht gebraucht hätte. Don DeLillo: „Körperzeit“


Zum – was mich betrifft – Abschluss des Jahres auch noch mein Blick in Don DeLillos „Körperzeit“ (im englischsprachigen Original: „The Body Artist“). Eine ‚second opinion‘ die für einmal mit der ersten von scheichsbeutel übereinstimmt. Ich gebe ihm nämlich Recht in seiner vernichtenden Kritik, halte aber an meiner positiven von „White Noise“ fest.

Für einmal keine skandalträchtige Geschichte von Rachilde: Madame Adonis


Noch ein Roman der französischen Autorin Rachilde: Madame Adonis. Wer wegen der Ähnlichkeit der Titel und der nahe bei einander liegenden Veröffentlichungsdaten der beiden Romane eine weitere skandalträchtige Geschichte im Stil von „Monsieur Vénus“ erwartet, wird allerdings enttäuscht. In diesem Roman orientiert sich Rachilde stark an Balzac und Flaubert. Wer allerdings diese beiden Autoren mag, wird auch „Madame Adonis“ mögen.

Über Ereignisse, die Dürrenmatt gefallen hätten und über Romulus Augustulus


Ein Erlebnis der Dürrenmatt’schen Art gehabt, deshalb ein paar Worte über sein frühes Drama „Romulus der Große“ verloren. Passt ‚negative Theologie‘ in diese Jahreszeit? Ich glaube schon. Und ja: Eigentlich mag ich Dürrenmatt, auch wenn ich ihn über Jahrzehnte nicht mehr gelesen habe.

Alexandre Dumas und das Märchen vom Nussknacker


Pünktlich zum Feiertag das Weihnachtsmärchen schlechthin: der Nussknacker. Dieses Mal in der Version von Alexandre Dumas dem Älteren, wie sie später von Tschaikowski für sein Ballett verwendet wurde, das wiederum fester Bestandteil so vieler Weihnachts-Repertoires in Theatern und Opernhäuser ist. Für einmal hält sich Dumas sogar in puncto Geschwätzigkeit zurück. Also durchaus lesbar.

Wenn eine Bahnstation zum Symbol wird für den 'American Way of Life' …


Der „kleine Bruder“ der U.S.A.-Trilogie von John Dos Passos wird heute vorgestellt: Manhattan Transfer. Aus der Sicht der Trilogie eine Fingerübung, an und für sich aber seinerseits ein großartiges und großartig gemachtes Sittenbild der USA im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts. (Und allzu viel hat sich seit Dos Passos, also in den letzten 100 Jahren, ja auch nicht geändert.)

Register-Bände von Werk- und Briefausgaben – so wichtig!


Dieses Mal ein kleiner Hinweis an das geneigte Publikum. Wir haben die ausgezeichnete philologische Arbeit gewürdigt, die die Herausgeber der Briefe Herders ihrem Register-Band angedeihen ließen. Solches wird nämlich meist viel zu wenig erwähnt.