Ich, mit Stock in der Stadt, minding my own business.
Fremde Frau in forderndem Ton, auf meinen Stock zeigend: "Was haben Sie?"
Ich: "Im Gegensatz zu Ihnen Manieren. Ich frage fremde Leute nicht nach ihrer privaten und potenziell traumatischen medizinischen Vorgeschichte."
... Hätte ich gesagt, wenn ich schlagfertig wäre. Ist mir leider erst später eingefallen. (Thread)
Insbesondere #Rolli -Fahrer:innen berichten häufig von ähnlichen Erlebnissen. Manche Menschen meinen, einen Anspruch auf private medizinische Informationen zu haben, wenn jemand anders aussieht als sie das erwarten. Das ist erschreckend.
Die persönliche Neugier ist größer als der Anstand und die Reflexion, was da eigentlich eingefordert wird.
Oft schwingt ein "Sie sehen ja gar nicht krank aus" oder "Sie sind zu jung für eine #Behinderung" (wird häufig berichtet, habe es selbst noch nicht erlebt) mit, das gut gemeint ist. Es ignoriert aber nicht nur die Realität, sondern würdigt die Betroffenen herab (scheint ja schlimm zu sein, eine #MobilityAid zu benutzen?!) und übersieht die sogenannten Invisible Disabilities und invisible illnesses. #Disability
@JessicaKathmann wo es bei vielen Leuten auch komplett aushakt, wenn ich das so aus der Ferne beobachte: wenn Leute mit Behinderung nicht 24h am Tag mit Leiden beschäftigt sind, sondern manchmal *omg* Spaß am Leben haben O.O
Das scheint bei einigen Leuten einen echten Ausnahmezustand im Gehirn auszulösen...
@danielaKay @JessicaKathmann Spass am Leben zB wie die Autistin hier die gerade Marmorkuchen zum Frühstück hat, weil fuck it ich bin erwachsen ich darf das!
@1Atalante1 @danielaKay Marmorkuchen for the win! Lass ihn dir schmecken!
@danielaKay Ja, stimmt! Ich denke, das hat auch mit der medialen Darstellung von Behinderung zu tun. Wieso sieht man so selten in Filmen / Serien Menschen, die eine Behinderung haben und sonst ist das nicht weiter relevant? Die leben einfach auch ihr Leben und man sieht den "Normalzustand"?
@JessicaKathmann genau! Ganz oft sieht man Menschen mit Behinderungen nur, wenn die Behinderung relevant für die Story ist!
Da bleibt es einem umso mehr in Erinnerung, wenn einfach mal jemand im Rollstuhl auftaucht, obwohl keine "Rollstuhl-Geschichte" erzählt wird.
@JessicaKathmann »"Sie sehen ja gar nicht krank aus" oder "Sie sind zu jung für eine #Behinderung" ... , das gut gemeint ist.«
Wenn das gut gemeint ist, warum wird das dann geschrien? "Ihre Stimme ist so jung, Sie können gar nicht behindert sein!1elf!" Weder angeborene noch unsichtbare Behinderungen kommen in dem Weltbild von diesen Leuten vor.
"Stock" - ja, ja, das hat Gandalf in Rohan über seinen Zauberstab auch gesagt. (Sieht gut aus!)
@JessicaKathmann finde es auch immer wieder spannend und übergriffig, wie Menschen reagieren, wenn eins nur von einer Behinderung spricht und es nicht weiter spezifiziert. Was da manchmal für Fragen kommen...
@JessicaKathmann ach und so ein cooler Stock!! Er glitzert
@catobelli Jaa, ich liebe ihn auch sehr!
@catobelli@wehavecookies.sociaUff, ja, da fehlt leider bei Teilen der Gesellschaft (noch?) die Sensibilität...
@JessicaKathmann ja, da fehlt definitiv Sensibilität! Finde es zb völlig ok wenn mich Kinder neugierig fragen was denn los ist. Ganz im Gegensatz zu vielen Erwachsenen, wo es oft übergriffig wird.
Frage ist auch, ab wann es eigentlich kippt und wie diese übergriffige Haltung eigentlich entsteht...
@JessicaKathmann hundert neugierige nerven mehr als zehntausend zurückhaltende
@JessicaKathmann Mann ist das ein cooler Stock! So hübsch!
@GreenSkyOverMe Awww, danke! Ist von Neo-Walk, die haben ganz viele tolle Modelle, viele davon können nachts sogar mit einer eingebauten Mini-Taschenlampe leuchten!
@JessicaKathmann Wie cool ist das denn!
@JessicaKathmann oder einfach antworten: ich habe einen Stock.
@JessicaKathmann Meine Tochter trägt eine Unterschenkelorthese und wird des Öfteren gefragt: „was hast du denn da gemacht?“
@aschmitz Uff, ja, oft ja auch noch in einem "verniedlichenden" oder gar herablassenden Ton. Meist gar nicht böse gemeint und überhaupt nicht reflektiert, aber die Wirkung bleibt halt die Gleiche...
@JessicaKathmann
Sie ist zum Glück inzwischen so alt, dass sie da auch manchmal was drauf sagt. Ist dann sehr lustig.
Auch gut: sie, in Gedanken versunken, ernstes Gesicht, auf dem Heimweg. Älterer Herr kommt ihr entgegen: „Lach doch mal!“
Huiuiui…
@JessicaKathmann mir fällt die passende Antwort auch immer zu spät ein.
@JessicaKathmann Der Stock sieht im Foto überproportional groß aus, aber das täuscht vielleicht. Aber cool ist er allemal. Gut zu wissen, falls ich mal einen brauche.
Aber im allgemeinen: Ob nun als Acessoire oder medizinische Gehhilfe gedacht - ich hätte es niemals angesprochen, erst recht nicht so wie Du es beschrieben hast
@Vash Ja, das stimmt, der Stock wirkt größer als er in der Realität ist! Muss der Winkel sein.
Im Real Life werde ich eher darauf angesprochen, ob er nicht zu kurz sei (wobei du dich vermutlich auf die Griff-Größe bezogst) – Leute erwarten ganz häufig, dass man den wie einen Wanderstab (?) mit angewinkeltem Arm benutzt, dabei sollte der Griff auf Höhe des Handgelenks bei ausgestrecktem, hängendem Arm sein. :)
@JessicaKathmann "Einen Stock. Und ich werde ihn benutzen."
@slowtiger Uuuuh! Sehr gute Idee!
@JessicaKathmann Im Architekturstudium waren wir einen Tag lang im Rolli in der Stadt unterwegs, und hey - das war ein echter Augenöffner und selbst an diesem einen Tag habe ich mehrfach so eine wie von dir beschriebene Erfahrung gemacht (ohne tatsächlich betroffen zu sein. Das ist natürlich ein großer Unterschied).
Vielleicht würde es die Gesellschaft ein kleines Stückchen voranbringen, wenn alle mal einen Tag mit einer körperlichen Einschränkung im öffentlichen Raum erleben würden
@nobs Wow, danke fürs Teilen deiner Erfahrung! Ja, es ist wirklich erstaunlich, was für eine Seite der Gesellschaft man dann plötzlich mitbekommt.
Zumal ja die Gruppe der Behinderten die einzige Minderheit ist, in die JEDE Person plötzlich und unfreiwillig "eintreten" kann (durch Krankheit, Unfall, ...). Gefühlt wird das ganz oft vergessen.
@JessicaKathmann Danke auch Dir :)
Und: Ja voll, gerade auch bei einer immer älter werdenden Gesellschaft. Und für uns als Planer*innen sollte so ein Tag mMn verpflichtend sein. Öffentlicher Raum darf nicht exklusiv sein, das muss in alle Köpfe.
@nobs Unterschreibe ich zu 100 Prozent! Vieles wird einem erst bewusst, wenn man selbst die Erfahrung macht – man achtet auch auf ganz andere Dinge. Eine Freundin im Rolli erzählt mir da auch immer wieder Sachen, auf die ich selbst (weil nicht betroffen) noch nie geachtet habe. Auch von Social Media-Accounts habe ich da schon total viel gelernt! Es wäre toll, wenn Nichtbetroffene da auch einfach ein, zwei Leuten jeweils folgen würden – sensibilisiert für ganz neue Perspektiven!
@JessicaKathmann Klar, das mache ich auch und mit meiner Mum im Rolli erlebe ich auch immer wieder wirklich dumme Situationen. Und beim Planen setze ich das auch - wenn möglich - durch :)
@nobs Klasse! Mehr Leute wie dich braucht's in diesen Positionen! :D
@nobs @JessicaKathmann An der TU Wien wird das im Bauingenieurwesen auch tatsächlich gefordert (wahlweise ein Protokoll von Rollstuhl- oder Kinderwagenfahrten).