“Odyssee im Weltraum – Die komplette Saga” von Arthur C. Clarke
Vor etlichen Jahren – laut meinem Goodreads-Eintrag muss es wohl 2022 gewesen sein – habe ich die Komplettausgabe aller vier Odyssee-Romane von Arthur C. Clarke auf meinen E-Book-Reader gezogen. Für die Lektüre habe ich – mit Pausen vor allem zwischen den einzelnen Romanen – bis jetzt gebraucht. Zeit für einen kleinen1 Lesetagebucheintrag.
Verfilmter SF-Klassiker
Vor allem wegen der Verfilmungen zählen zumindest die beiden ersten Romane zu den großen Klassikern der #ScienceFiction. Na gut, eigentlich nur der erste, der zweite verdient meiner Meinung nach jedoch auch Aufmerksamkeit. Aber ein Roman nach dem anderen! Wie viele meiner Generation halte ich “2001: Odyssee im Weltraum” für den besten SF-Film aller Zeiten. Schon als Kind wurde ich durch meine entsprechend interessierten Eltern diesbezüglich geprägt, vermutlich habe ich kaum einen Film häufiger gesehen, als diesen. Dennoch habe ich mir erst jetzt die Romanvorlage zu Gemüte geführt – die in Wahrheit parallel zum Film entstanden ist. Trotz des Alters von Buch und Film und des vermutlich allseits bekannten Inhalts platziere ich mal eine
WARNUNG VOR DEM SPOILER
2001: Odyssee im Weltraum
Der Film: Ich nehme wie gesagt an, ihr kennt die Geschichte des Filmklassikers aus dem Jahr 1968 von Stanley Kubrick. Ehe die eigentliche Handlung beginnt, wird dem Zuschauer in der ersten von vielen ikonischen Szenen offenbart, dass die Menschheit ihre Intelligenz einem außerirdischen Artefakt verdankt, das eines Nachts einer Vormenschenhorde in Afrika vor die Höhle gestellt wird.
Nach einem – natürlich auch ikonischen – Schnitt ins titelgebende Jahr 20012 entdeckt die Menschheit ein weiteres dieser Artefakte, ohne freilich von dem ersten zu wissen. Dieser schwarze Monolith wurde zudem auf dem Mond ausgegraben – wohlgemerkt in amerikanisch verwaltetem Gebiet. Er entzieht sich jeder Untersuchung, strahlt jedoch ein Funksignal aus, das direkt in Richtung Jupiter weist.
18 Monate später ist das amerikanische Raumschiff Discovery One auf dem Weg dorthin, um nach dem Rechten zu sehen. Die beiden wachen Astronauten an Bord wissen nichts von dem Monolithen, alle anderen Crewmitglieder liegen im Kryotiefschlaf. Und dann ist da noch HAL 9000, die Bord-KI der Discovery. Im Laufe der Reise beschließt HAL nach einer vermeintlichen Fehlfunktion die menschliche Besatzung zu töten, was ihm bei Frank Poole und den eingefrorenen Astronauten auch gelingt. Dave Bowman hingegen kann HAL überwinden3 und abschalten – just in dem Moment, in dem die Discovery den Jupiter erreicht.
Dort schwebt ein riesiger weiterer Monolith zwischen den Monden. Bowman fliegt ihn mit einer Raumkapsel an und stürzt in ein Portal, dessen Natur und Ziel letztlich der Interpretation der Zuschauenden überlassen bleibt. In der letzten Einstellung sieht man Bowman als transzendiertes Spacebaby im All schweben. Man kann nur vermuten, dass dies ein weiterer von den Monolithen initiierter Evolutionsschub für die Menschheit war.
Das Buch: Bis auf einen deutlichen Unterschied sind Inhalt und Ablauf der Handlung fast identisch. Im Buch geht die Reise nämlich nicht zum Jupiter, sondern zum Saturn. Der Ringplanet war Kubrick dann aber wohl filmisch nicht realistisch genug umzusetzen, weswegen er lieber den Jupiter genommen hat. Clarke ist in der Buchversion dennoch bei Saturn geblieben, Jupiter wird immerhin bei der Beschreibung eines Swing-By-Manövers erwähnt. Als bedeutsamer Trabant des Zielplaneten wird im Buch der Saturnmond Iapetus genannt, hier befindet sich auch das Sternentor, durch das Bowman am Ende fliegt.
Ansonsten werden viele Dinge, die der Film bewusst der Interpretation überlässt, detailliert erläutert, was diese Dinge teilweise etwas entzaubert. Vor allem die Reise durch das Sternentor schickt Bowman im Buch zu recht konkreten Orten. Es wird ziemlich deutlich gesagt, dass die außerirdischen Baumeister des Monolithen ihre Maschinen und Anlagen schon lange verlassen haben, um sich zu vergeistigen und dass die Monolithen nur noch automatisch funktionieren. Auch der Grund für HALs Durchdrehen wird bereits hier mit einem inneren Konflikt durch die widersprüchliche Programmierung erklärt – glaube ich zumindest, die Lektüre ist wie gesagt schon eine ganze Weile her.
Für sich genommen ist das Buch ein recht klassischer und durchaus lesenswerter Science-Fiction-Roman seiner Zeit, in dem sich gelungene und weniger gelungene Vorhersagen die Wage halten. Das macht der Film in seiner Reduktion besser und – trotz Mondstationen, interplanetarer Raumfahrt und fortdauerndem Kalten Krieg im Jahr 2001 – zeitloser.
2010: Das Jahr, in dem wir Kontakt aufnehmen
Der Film: Die Fortsetzung von 1984 kennen vermutlich nicht mehr ganz so viele. Der Film wird meist eher schlecht bewertet, was ihm meiner Meinung nach aber nicht gerecht wird. Natürlich ist er mit dem Kubrick-Klassiker nicht zu vergleichen, bleibt für sich genommen aber ein sehr ordentlicher Science-Fiction-Film, der das beste aus den Möglichkeiten seiner Zeit rausgeholt hat. Ich müsste ihn mir alsbald noch einmal reindrehen, meine aber, dass die Effekte auch für heutige Sehgewohnheiten noch gut funktionieren müssten. Hier hat Clarke mit Peter Hyams parallel am Roman und am Drehbuch gearbeitet.
Die Handlung beschreibt eine weitere Jupitermission knapp zehn Jahre später. Niemand weiß so recht, was auf der Discovery One passiert ist. Zudem drängt die Zeit, da sich das Raumschiff in einem instabilen Orbit befindet und jederzeit auf einem der Monde oder Jupiter selbst abstürzen könnte. Leider dauert es noch eine ganze Weile, bis die Amerikaner die Discovery Two fertig haben. Da bietet die Sowjetunion – ja, sie existiert hier immer noch – ihr bereits fertiggestelltes Raumschiff Leonov für eine gemeinsame Mission an. Trotz der unveränderten Spannungen wird das Angebot angenommen.
Beim Jupiter kann die Discovery geborgen werden und man beginnt, die Ereignisse zu rekonstruieren. Auch der riesige Monolith ist noch da. Bei seiner Untersuchung stürzt ein russischer Kosmonaut hinein und verschwindet im Sternentor. Parallel dazu wachsen die Spannungen zwischen den Machtblöcken auf der Erde an. Der Kalte Krieg droht, ein heißer zu werden.
Schließlich erscheint Dave Bowman dem amerikanischen Expeditionsleiter Heywood Floyd4 an Bord der Discovery und fordert ihn auf, so schnell wie möglich aus dem Jupiterorbit zu verschwinden, da sonst ihr Leben in Gefahr sei. Trotz aller Zweifel und Konflikte leisten sie der Aufforderung Folge – und entkommen gerade noch rechtzeitig, ehe der Jupiter von Milliarden Monolithen in eine Sonne verwandelt wird.
Dieses kosmische Ereignis hindert die Machthaber auf der Erde im letzten Moment daran, den dritten Weltkrieg auszulösen. Bowman und HAL senden eine Botschaft an die Menschen, dass sie die nun erwärmten Jupitermonde besiedeln dürfen – außer Europa, der für alle Zeiten tabu bleiben muss. In der letzten Einstellung wird eine sumpfartiger Region auf Europa gezeigt, in der ein Monolith aufragt.
Das Buch: Auch die Buchversion setzt eher den 2001-Film fort – beziehungsweise eine Mischform aus den beiden Versionen des ersten Teils. Vom Saturn als Ziel der ersten Reise ist keine Rede mehr, die Discovery war auch hier zum Jupiter unterwegs. Diverse Detailangaben aus dem ersten Buch werden allerdings als gegeben vorausgesetzt.
Dennoch weist das 2010-Buch einige Unterschiede zu seinem Film auf. Allem voran die Tatsache, dass neben der Leonov mit der amerikanisch-russischen Besatzung auch das chinesische Raumschiff Tsien zum Jupiter unterwegs ist. Es fliegt der Leonov sogar voraus und droht früher bei der Discovery anzukommen. Die Spannung bei der Reise entsteht im Buch daher eher aus dieser Konkurrenz, denn aus dem Ost-West-Konflikt zwischen den Russen und Amerikanern an Bord der Leonov. Tatsächlich spielt ein aufziehender dritter Weltkrieg hier überhaupt keine Rolle.
Die Tsien landet kurz nach Erreichen des Jupiterorbits auf dem Mond Europa, um Wasser zu tanken – und wird dort von einer Lebensform angegriffen und zerstört. Diese Szene ist im Film auf eine automatische Sonde der Leonov reduziert worden, die Lebenszeichen auf Europa nachgeht und dabei aus ungeklärten Umständen vernichtet wird.
Der restliche Ablauf ist aber recht ähnlich – außer dass der Kosmonaut im Buch den Monolithen nicht untersucht und auch nicht ins Sternentor fällt. Und man erfährt noch ein wenig aus Bowmans Sicht, wie die Dinge ablaufen. So wird nochmals verdeutlicht, dass die Monolithen-Maschinen stumpf ihrer Programmierung folgen und längst keinen Kontakt mehr zu ihren Erbauern haben. Dabei erfährt man, dass auch in der Gasatmosphäre des Jupiter Leben existiert, das aber zugunsten des Europalebens geopfert wird.
Zudem thematisiert das Buch, dass Jupiter eigentlich viel zu klein ist, um in eine Sonne verwandelt zu werden und spekuliert darüber, wie es die Monolithen-Technik doch hinbekommen haben könnte.
Auch hier finde ich den Film einen Tick besser als das Buch. Aus Sicht der 80er Jahre taugt ein sich aufheizender Kalter Krieg viel besser als spannungstreibender Konflikt, als ein Wettlauf mit einem chinesischen Raumschiff.
2061: Odyssee III
Zum dritten Teil gibt es schließlich keine filmische Adaption mehr, mit der man ihn vergleichen könnte – zumindest keine, die mir bekannt wäre. Dieser Spaß fällt bei der Lektüre also weg. Dennoch bleibt ein durchaus solider und kurzweiliger klassischer Science-Fiction-Roman, der sich an vielen Stellen sehr um wissenschaftliche Akkuratesse bemüht, was aber für alle Bücher gilt.
Seit der “Entzündung” des Jupiter sind 50 Jahre vergangen. Man nennt die zweite Sonne inzwischen gemeinhin “Luzifer”. Die Menschheit hat in der Zwischenzeit die Raumfahrt enorm vorangetrieben und Stationen auf den Jupitermonden – vor allem Ganymed – errichtet. Das von Bowman und HAL ausgesprochene Verbot, auf Europa zu landen, ist bislang befolgt worden.
Kurz nachdem ein Wissenschaftler über die Beobachtung eines riesigen Berges auf Europa berichtet, der vor 50 Jahren noch nicht da war, kommt es zu einem Zwischenfall. An Bord eines Raumschiffs auf Jupiter/Luzifer-Mission zwingt eine bewaffnete Frau den Kapitän, auf Europa zu landen.
Auch wenn das Schiff kaum dafür ausgelegt ist, gelingt die Landung mehr schlecht als recht – die Terroristin stirbt dabei jedoch und kann ihre Beweggründe nicht mehr erläutern. Die Verletzung des Verbots hat zunächst keine Konsequenzen, man richtet sich notdürftig auf Europa ein und funkt um Hilfe. Ein Start aus eigener Kraft ist nicht möglich.
Am schnellsten kann diesem Hilferuf das Schwesterschiff nachkommen, obwohl es gerade den Halleyschen Kometen in Erdnähe beobachtet. Mit einem gewagten Manöver macht man sich auf den Weg. Ach ja, an Bord ist auch der greise aber rüstige Heywood Floyd.
Bis die Rettung naht, erkunden die Gestrandeten den Jupitermond und entdecken zweierlei. Zum einen steckt der riesige Monolith, der in den beiden ersten Teilen zwischen den Jupitermonden schwebte, inzwischen quer wie eine große Mauer in Europa und bietet dem dortigen Leben Schutz. In den 50 Jahren konnten sich die Lebensformen offenbar an die neue Sonne anpassen und zu einer einfachen Kulturstufe weiterentwickeln. Sie leben in einer kleinen Iglustadt und haben die Überreste der Tsien ausgeschlachtet.
Zum anderen besteht der riesige Berg offenbar aus einem einzigen gewaltigen Diamanten, was wohl auch der Grund für die Terror-Aktion war. Genau das hatte der Wissenschaftler am Anfang nämlich vermutet und etwas unbedacht zur Erde gefunkt.
Erklärt wird das mit der Zündung des Jupiter, bei der aus dem Innern des Gasriesen unfassbar viel Kohlenstoff in seiner härtesten Form ausgestoßen worden ist. Einer dieser riesigen Diamantbrocken ist dann auf Europa geplumpst. Leider versinkt dieser schließlich und ist nicht mehr zugänglich – im Luziferorbit werden aber noch etliche weitere vermutet, aus denen zukünftige Generationen alsbald hübsche Weltraumfahrstühle bauen können. Diese Clarksche Erfindung soll es natürlich auch in diesem Universum geben.
Ach ja. Die Schiffbrüchigen werden schließlich gerettet und ganz am Schluss tauchen in einer etwas aufgesetzten Szene noch einmal die vergeistigten Dave Bowman und HAL auf und holen Heywood Floyd zu sich. Dabei offenbart Bowman, dass die Monolithen nicht nur rein automatisch funktionieren, sondern vermutlich auch defekt sind. Gemeinsam mit HAL und Floyd will er darauf achten, dass so etwas wie das Opfern der Jupiterlebewesen in Zukunft nicht mehr passiert.
Der Roman ist wie gesagt nett zu lesen, fällt gegen seine Vorgänger aber deutlich ab. Vor allem die Diamanten-Nummer wirkt etwas schräg. Außerdem scheint es, dass Clarke mit seinen eigenen Vorgaben nicht mehr viel anzufangen weiß. Der Dreh, dass der Monolith eine inzwischen alt und tüddelich gewordene KI ist und im Grunde nur noch Fehlentscheidungen produziert, entwertet große Teile dessen, was die beiden ersten Romane ausgemacht hat. Auch das Geheimnis Europas wird ohne Not entzaubert beziehungsweise nur unbefriedigend gelöst.
Trotzdem bin ich als Freund epischer Geschichten froh, das Ding gelesen zu haben. Ich will halt immer wissen, wie es weitergeht.
3001: Die letzte Odyssee
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist für den letzten Odyssee-Roman anscheinend öfter eine Verfilmung im Gespräch gewesen, dabei finde ich ihn gar nicht mal spektakulär besser als 2061.
Tatsächlich beginnt er fast wie eine Fanfiction in eigener Sache. Aufhänger ist nämlich, dass ein Raumschiff am Rande des Sonnensystems zufällig einen tiefgefrorenen Körper findet – niemand geringeren als Frank Poole, Astronaut der Discovery, dem HAL tausend Jahre zuvor bei einem Weltraumspaziergang die Luftschläuche abgeklemmt hat. Und nicht nur das, Poole hat sogar all die Jahrhunderte tiefgefroren überlebt und kann nahezu problemlos wiederbelebt werden.
Naja.
Die erste Hälfte des Bandes dreht sich daher auch darum, wie sich Poole in der neuen Umgebung zurechtfindet. Die 1000-jährige Zukunft kommt einerseits klassisch-spektakulär daher: Ring um die Erde, durch vier Weltraumfahrstühle mit der Oberfläche verbunden, das Sonnensystem ist weitgehend erschlossen, man schmeißt seit einiger Zeit Eis-Kometen auf die Venus, um sie zu terraformen, die Menschheit ist natürlich vereint und so weiter und so fort.
Auf der anderen Seite kommt die Zukunft doch recht lahm und wenig fremdartig daher. Das wird sogar kurz thematisiert mit der steilen These, dass der Jahrtausendsprung davor – also von 1000 bis 2000 – viel spektakulärer gewesen wäre, da in dieser Zeit ja so viel erfunden worden sei. Nach 2000 wäre das “Moderne” ja im Grunde schon alles dagewesen. Ein bisschen naiv und unkreativ will mir scheinen – zumal Clarke eines der Kernthemen aus dem ersten Band so überhaupt nicht weiterentwickelt hat: Künstliche Intelligenz. Das gilt schon in den Bänden davor, wird im Jahr 3001 aber besonders deutlich. KIs werden ab und an am Rande erwähnt, treten aber weder als Protagonisten auf noch wird ihr gesellschaftlicher Einfluss antizipiert.
Besonders ärgerlich finde ich das kulturpessimistische Gequatsche von der nun vollends verweichlichten Menschheit auf Erden, der es viel zu gut gehe.
Teil zwei der Handlung liefert natürlich den erwartbaren Fanservice: Poole begibt sich auf die Reise gen Jupiter/Luzifer, um den Gerüchten nachzugehen, dass sein alter Kumpel Dave Bowman dort in irgendeiner transzendierten Form umherspukt. Um sein Erscheinen zu provozieren, versucht Poole mit einem Shuttle auf Europa zu landen, was in den letzten 1000 Jahren niemandem gelungen ist.
Ab hier wiederholt sich so einiges aus den vorangegangenen Bänden. Tatsächlich kommen einem ganze Passagen über das Leben auf Europa und auf dem alten Jupiter sehr bekannt vor.
Der Fanservice wird natürlich geliefert. Dave Bowman erscheint Frank Poole, wobei sich endgültig vom Motiv der Vergeistigung verabschiedet wird. Schon in den Romanen davor klang es an, nun wird aber klar gesagt: Das Bewusstsein von Bowman ist schlicht in die Monolithen-KI hochgeladen worden – beziehungsweise ein Backup davon. Bei ihm ist nur noch HAL, von Heywood Floyd ist keine Rede mehr.5 Tatsächlich nimmt Poole HAL und Dave Bowman nur noch als eine Entität wahr, die er HALman nennt.
HALman berichtet erneut von den Fehlfunktionen der Monolithenmaschine – sowie davon, dass sie vor tausend Jahren ein Signal ins All hinausgeschickt habe. Ziel war mutmaßlich ein etwa 500 Lichtjahre entfernter Stern, weswegen alsbald mit einer Antwort zu rechnen wäre.6 Aus Sorge, welche fatalen Befehle in dieser Antwort enthalten sein könnten, beschließt die Menschheit den ultimativen Independence-Day-Move: HALman soll die fiesesten Computerveirn, über die man verfügt, in den Monolithen einschleusen und ihn damit vorsorglich zerstören. Er selbst bekommt einen ausreichend großen Datenspeicher zur Verfügung gestellt, in den er sich retten kann.
Und so geschieht es dann auch: Die Viren wirken, die Monolithen7 zerlegen sich und die potentielle Gefahr aus dem All ist gebannt.
Und damit ist die Odyssee zu Ende. Auch der letzte Band ist nicht gerade der Knaller, dennoch wird damit ein bemerkenswertes SF-Epos abgeschlossen, dessen Einfluss womöglich sogar über den Filmklassiker hinausgeht. So fühlte ich mich bei der Lektüre an einigen Stellen sehr angenehm an die Trisolaris-Trilogie erinnert. Liegt nahe, dass Liu Cixin ein großer Clarke-Fan ist, der seine Odyssee gelesen hat.
––––––––––––
- in Wahrheit natürlich einen großen[↑]
- wobei der Film glaube ich nicht exakt deutlich macht, welcher Teil der Handlung in diesem Jahr spielt[↑]
- Ihr haltet doch auch immer die Luft an, wenn er ohne Helm durch die Luftschleuse geht, oder?[↑]
- Eigentlich Clarkes Hauptfigur in allen Odyssee-Romanen, naja zumindest in dreien. Er ist so ein bisschen das Ankerwesen dieses Universums. In 2001 – sowohl Film als auch Buch – ist er der Typ, der auf den Mond reist, um dort die Untersuchung des Monolithen zu leiten.[↑]
- In seinem Nachwort erklärt Clarke, dass kein Band die exakte Fortsetzung des jeweiligen Vorgängers sei. Im Grunde spielen sie alle in sehr ähnlichen aber unterschiedlichen Paralleluniversen.[↑]
- Von überlichtschnellen Sternenportalen ist also auch keine Rede mehr.[↑]
- Inzwischen wurde auch der uralte Monolith entdeckt und ausgebuddelt, der einst die Menschheit evolutioniert hat.[↑]