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DER JUNGE wird seit einigen Jahren inklusiv beschult.Jedes halbe Jahr findet ein sogenanntes „Förderplangespräch“ statt:Die Eltern treffen sich mit der Sonderpädagogin.Diese erläutert dann die Förderung des Jungen.Und immer wieder sagt sie: „Ich finde ja, Ihr Sohn wäre an der Sonderschule besser aufgehoben. Dort könnte er das lernen, was er zum Leben braucht. Wollen Sie sich die Klassen dort nicht einmal ansehen?“Auch dieses Mal sagt sie das.Und dieses Mal platzt dem Vater der Kragen: „Warum sagen Sie das immer und immer wieder? Wir haben uns für die Inklusion entschieden. Für uns geht es nicht um das „ob“, sondern um das „Wie“. Und das möchten wir mit Ihnen besprechen!“Die Sonderpädagogin lächelt:„So wie ich geduldig Ihrem Sohn die Sachen immer und immer wieder erkläre, erkläre ich auch Ihnen geduldig immer und immer wieder, warum ich ihn nicht für die Inklusion geeignet halte!“

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DER JUNGE MANN hat seine Schulzeit hinter sich und arbeitet.Die Mutter trifft einen seiner ehemaligen Klassenkameraden. Die beiden waren viele Jahre lang zusammen in einer inklusiven Klasse.Sie erzählen von der Arbeit. Die Mutter berichtet, dass der Betrieb immer mal nachfragt, wenn etwas nicht klappt. Und dass sie das prima findet.Zum Beispiel, dass der junge Mann nicht zwei Aufgaben gleichzeitig kann.„Ja, logisch, geht bei ihm nicht. Immer eins nach dem anderen. Dann klappt‘s“, sagt der Klassenkamerad.Oder dass er einen klar strukturierten, vorsortierten Arbeitsplatz braucht.„Ja, logisch“, sagt der Klassenkamerad, „sonst kommt er durcheinander, und alles endet im Chaos.“Die Mutter lacht:„Ich freue mich schon darauf, wenn Du einmal irgendwo Chef bist! Du hast echt viel verstanden, oder?“Nun lacht auch der Klassenkamerad: „Ja, logisch!“

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Die Mutter DES MÄDCHENS trifft eine Freundin.„Du, sag mal, wo geht Deine Kleine jetzt eigentlich zur Schule?“, fragt diese.„Na, bei uns im Dorf. In die Grundschule“, antwortet die Mutter.„Wolltest du sie nicht in die Sonderschule geben?“, fragt die Freundin nach.„Doch, eigentlich schon… “ Die Mutter erzählt:„Als die Anmeldungen an der Grundschule bevorstanden, habe ich einen Termin mit der Direktorin gemacht. Eigentlich wollte ich ihr nur sagen, dass ich meine Tochter da nicht einschulen will. Aber dann hat sie mich gleich begrüßt mit ‚Oh, wie schön, dass Ihre Jüngste jetzt auch zu uns kommt! Ich hab schon alles rausgesucht, wie das mit der Inklusion geht. Wir müssen sicherlich viel lernen, aber ich bin sicher, das kriegen wir hin!‘ Und, weißt du, ich war so positiv überrascht und ein bisschen überrumpelt, dass ich das dann wirklich gemacht habe!“„Ja, und kriegen sie es hin?“, fragt die Freundin.Die Mutter lacht.„Ja, sie kriegen es wirklich toll hin!“

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DER JUNGE möchte am Bibel-Nachmittag einer christlichen Kindergruppe teilnehmen.Es geht um die Geschichten, die er sehr liebt. Sie sollen gelesen und aufgeführt werden. Es wird gebastelt und gegessen.Der Junge sei willkommen, so die Veranstalter, aber nur mit Begleitung.Die Mutter versteht nicht recht, warum. Aber auch nach langem Hin und Her ist das nicht verhandelbar.Also fragt sie einen Dienst an, über den sie schon öfter mal Studierende bekommen hatte, um mit ihrem Sohn etwas zu unternehmen.Die Leiterin des Dienstes verspricht, dass jemand kommt.Kurz bevor es losgehen soll, klingelt das Handy der Mutter und ein Mann meldet sich: Er komme leider etwas später.Die Mutter schickt den Jungen schon mal rein, und weil die Veranstalter wissen, dass gleich eine Begleitperson kommt, kann die Mutter schon gehen.Als sie abends kommt, sitzen die Kinder noch im Kreis:Der Junge, acht weitere Viertklässler und dazwischen ein grauhaariger Mann, der augenscheinlich über 70 ist und sich auch auf einen der kleinen Stühle gequetscht hat.Am nächsten Tag ruft die Mutter bei der Leiterin des Dienstes an und sagt, dass das irgendwie nicht besonders passend war. Sonst seien doch immer Studenten gekommen…Die Leiterin reagiert angefasst: „Wissen Sie eigentlich, wie schwer es ist, hierfür überhaupt Personal zu finden? Ich finde, Sie können froh und dankbar sein, dass ich jemanden auftreiben konnte. Ist ja auch nicht jedermanns Sache, so eng mit Behinderten zu arbeiten.“

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Die Mutter DER JUNGEN FRAU trifft sich mit einer Freundin. Irgendwann kommen sie im Gespräch auf die Auszugspläne der jungen Frau.„Hattet ihr nicht vor kurzem ein Gespräch mit der Stadt wegen möglicher Unterstützung?“Die Mutter verzieht das Gesicht: „Hör bloß auf! Das war so deprimierend. Nachdem wir beschrieben haben, wo überall und wie viele Stunden Unterstützung unsere Tochter voraussichtlich braucht, hat die Sachbearbeiterin gesagt: Da brauchen Sie erst gar keinen Antrag stellen!“„Und warum nicht“, fragt die Freundin nach.„Weil für solche Menschen wie unsere Tochter ambulantes Wohnen überhaupt nicht gedacht sei! Für die gäbe es doch die ‚besonderen Wohnformen‘.„Was ist denn das nun wieder?“, fragt die Freundin.„Das ist“, sagt die Mutter seufzend, „das neue Wort für die Heime.“

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Die Mutter ist mit DEM JUNGEN beim Einkaufen im Supermarkt.Sie diskutieren lebhaft, was sie einkaufen und kochen wollen.Plötzlich stürmt eine ältere Dame auf die Mutter zu, nimmt deren Hand, legt ihre Hand darauf und sagt:„Das tut mir so leid!“Die Mutter ist verwirrt. Der Junge auch.„Ich glaube, Sie verwechseln mich!“„Nein, nein“, sagt die Dame, „es tut mir leid. So etwas ist sehr schwer. Ich wünsche Ihnen viel Kraft.“„Ich verstehe das nicht“, versucht es die Mutter noch einmal und hat eine Idee: „Wir haben keinen Todesfall in der Familie!“„Wissen Sie“, fährt die Dame fort und schaut den Jungen an, „meine Freundin hatte auch so ein Kind. Ich weiß, wie schwer das alles ist!“

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DER JUNGE ist seit Jahren in einem Ferienlager. Auch seine Schwester ist immer dabei. In diesem Jahr sind beide so alt, dass sie ins Betreuer-Team wechseln können. Das ist bei den Kindern, die dem Teilnehmer-Alter entwachsen sind, so vorgesehen.Die Eltern haben sich natürlich Gedanken gemacht, wie das beim Jungen gelingen kann. Die Ferienlager mit dem ganzen Drumherum – den T-Shirts, einem eigenen Logo und Aktionen auch während des Jahres – sind ihm total wichtig. Die Eltern bekommen vom verantwortlichen Leiter eine Einladung, alles zu besprechen.Dort berichtet dieser erst einmal, wieviel Rücksicht und Zeit das Team in den vergangenen Jahren aufgebracht hat, um die Teilnahme des Jungen zu ermöglichen. Und bevor die Eltern etwas sagen können, erklärt er: „Dass er ins Betreuer-Team wechselt, macht gar keinen Sinn!“Die Eltern sind überrascht und geschockt. Mit einer solch klaren Abweisung hatten sie nicht gerechnet.„Der Junge hatte ja eine schöne Zeit hier“, legt der Leiter nach, „Sie wollen doch sicherlich nicht, dass seine Erinnerung an die Ferienlager nun mit einer unschönen Erfahrung endet.“Die Eltern wollen jetzt nur noch eins: Das Gespräch beenden.Doch der Leiter lässt sie noch nicht gehen: „Aber Ihre Tochter hätten wir wirklich gerne im Betreuer-Team. Sie ist so geduldig, so geschickt im Umgang mit den Kleinen, auch wenn es mal schwierig wird. Das wäre schade, wenn sie jetzt aus falsch verstandener Solidarität mit ihrem Bruder auch aufhören würde. Dann müsste sie ja unter der Behinderung ihres Bruders leiden. Das Beste wäre, sie sagen ihr, dass wir das hier so gemeinsam entschieden haben!“

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Die Mutter unterhält sich mit einer Bekannten.Dabei erzählt sie, dass DER JUNGE auch gewählt hat.Der Junge gilt als geistig behindert.„Ich musste natürlich bei der Briefwahl ein bisschen helfen!“, sagt sie.„Dann ist das doch gar nicht gültig“, entgegnet die Bekannte.„Doch“, sagt die Mutter, „ich habe ihm gezeigt, wo er auf dem Formular unterschreiben muss und welchen Zettel er in den welchen Umschlag stecken muss. Auch das Falten war gar nicht so einfach.“„Und er wusste, wen er wählen will?“, fragt die Bekannte ungläubig.„Oh ja“, die Mutter nickt, „das wusste er ganz genau! Sehen durfte ich es nicht. Aber er hat es später erzählt.“„Und wen hat er gewählt?“„Wahlgeheimnis!“ Die Mutter lacht.„Aber so viel kann ich dir verraten: Ich musste ganz tapfer sein!“

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DER JUNGE ist in einer berufsvorbereitenden Klasse.Gemeinsam mit anderen jungen Mädchen und Jungs mit Behinderung.Die Klasse soll auf eine Tätigkeit auf dem ersten Arbeitsmarkt vorbereiten.Die Sonderpädagogen haben den Lehrplan überarbeitet und Schwerpunkte gesetzt.Vor allem Selbständigkeit ist ihnen wichtig.Beim Lernen, bei der Arbeit, auf allen Wegen.Alle Praktika sollen die Schülerinnen und Schüler selbständig erreichen.Deshalb haben sie für den Jungen den städtischen Bauhof ausgesucht.Dort soll er sich bewerben.Selbständig.„Wie soll das gehen?“, fragen die Eltern in einem Elterngespräch.„Na, er geht dahin, fragt sich zur Leitung durch und trägt dann vor, dass er dort ein Praktikum machen möchte“, sagen die Lehrer.„Aber er kann doch kaum ganze Sätze bilden“, wirft der Vater ein.„Und die meisten Menschen verstehen ihn erst, wenn sie ihn eine Weile kennen“, ergänzt die Mutter.„Er muss das können!“ Die Lehrer bestehen darauf.„Und wenn nicht?“, fragt die Mutter.„Dann ist er für den ersten Arbeitsmarkt nicht geeignet!“

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„Heute haben wir den Zaun bemalt“, erzählt DAS MÄDCHEN, als es aus der Schule nach Hause kommt.Gemeint ist der Bauzaun des Schulneubaus.„Das ist ja eine gute Idee!“, sagt die Mutter.„Naja“, sagt das Mädchen, „geht so.“Die Mutter hakt nach und erfährt nach und nach:Es war die Idee der Kunstlehrerin, die Siebtklässler und Achtklässler gemeinsam unterrichtet. Im Kunstkunst sind auch zwei Mädchen mit Behinderung: Das Mädchen und ihre Freundin.Die Lehrerin bespricht das Projekt mit den Schülern. Dann wird entschieden: Die Siebtklässler bemalen ein eigenes Zaunfeld. Die Achtklässler bemalen ein eigenes Zaunfeld. Und die beiden Mädchen mit Behinderung bemalen ein eigenes Zaunfeld, das die Lehrerin ihnen zuweist.„Warum denn das?“, fragt die Mutter.Das Mädchen zuckt mit den Achseln. „War so.“Und nach einer Weile fügt es hinzu: „Die anderen fanden sowieso blöd, was wir malen wollten.“„Und was wolltet ihr malen?“„Peace-Zeichen und Schmetterlinge!“

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