@sandhoferlitter Das Gegenteil des Problems, dass die meisten Studenten bei ihren Arbeiten umtreibt. Wie hier schon erwähnt, war das Erreichen einer Mindestzahl an Wörtern auch für mich nie ein Problem, eher deren Beschränkung. Im übrigen halte ich diese Limitierungen (ob nach unten oder oben) für prinzipiell problematisch: Ein homöopathisch unendlich verdünnter Gedanke auf unzählige Seiten gestreckt wird nicht klüger und bei Kürzungen gehen oft wichtige Nuancen verloren.

@giesbert @aza_leah @lenariess H. v. Doderer: "Jeder bekommt seine Kindheit über den Kopf gestülpt wie einen Eimer. Später erst zeigt sich, was darin war. Aber ein ganzes Leben lang rinnt das an uns herunter, da mag einer die Kleider oder auch Kostüme wechseln wie er will."

@giesbert @aza_leah @lenariess Dass auch der Anführer einer Peer-Group unter dieser seiner Rolle leiden kann, hat kaum jemand verstanden. Weil diese Rolle mit Renommee verbunden, man scheinbar stark war, aber wiederum das Indianerideal leben musste (obwohl man einfach nur gerne mal geweint oder sich angelehnt hätte). Ob man das alles je wieder los wird - weiß nicht.

@giesbert @aza_leah @lenariess ich hingegen ein "Indianer" (schon wieder ;)) sein sollte. Meine Kindheit vergiftet haben diejenigen, die ohne jedes Verständnis das alles von mir forderten und mich zu einem Jugendlichen machten, der dieses Männlichkeitsbild erfüllte und lange benötigte, diese Mechanismen wieder loszuwerden (wozu ein wunderbares Mädchen sehr viel beitrug, der ich das nicht wirklich gedankt habe).

@giesbert @aza_leah @lenariess Wir sind ziemlich gleich alt. - Empörung über Werbung habe ich wohl weder damals noch heute empfunden (weil das ja per se ein auf - ökonomischen - Vorteil abzielendes Unterfangen ist und man alles macht, diesen Vorteil zu erzielen). Und was sie nicht tun, geschieht auch nicht nicht aus Überzeugung, sondern weil's nach hinten losgehen könnte. Die Rollenklischees habe ich ebenso empfunden: Ich konnte nicht verstehen, warum meiner Schwester zu weinen erlaubt war,

@lenariess @aza_leah @giesbert Bei uns wurde auch 20 und 30 Jahre nach 1945 noch Lebensmittelknappheit und gerade überstandene Armut zelebriert; ich hätte mich glücklich geschätzt, von einer grimassierenden Mutter eine Süßigkeit zu bekommen (obwohl - da muss ich Giesbert zustimmen - der Blick etwas von der Dame aus dem Lebkuchenhaus hat bzw. von meiner Vorstellung desselben).

- und staunend liest's der anbetroffene Chef - wo denn nun der Bezug sei zu Nietzsches Nihilismus (außer dass nun mal jeder Intellektuelle irgendwann mal Nietzsche gelesen hat). Erinnert mich an den Ott, der ja auch ein eigenartiges, geistesgeschichtliches Panoptikum präsentierte. Das Zusammenhanglose der Bücher verbindet.

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Peter Watson versucht sich in einer Philosophiegeschichte des Nihilismus seit Nietzsche. Was in einem 50seitigen Vorwort spannend ausgeführt wird, liest sich allerdings sehr eigenartig: Nach Vorstellung der Nietzsche-Jüngerschaft zu Beginn des 20. Jhdts wird so gut wie jeder Philosoph vorgestellt: Dewey, James, Bergson, Santayana, G. E. Moore und die Apostel nebst Bloomsbury, Husserl, P. Valery nebst Baudelaire, Cezanne, Gide, Rimbaud

Vom Autor (Karl-Heinz-Ott) zuvor weder gehört noch gelesen. Und nach der Lektüre dieses etwas vollmundig als "Geschichte des reaktionären Denkens" bezeichneten Buches vermag ich diese Unkenntnis nicht wirklich als Mangel anzusehen. Man nehme einige reaktionäre Philosophen und weise ihnen ihre rechts-konservative Gesinnung nach. Wirkt manchmal billig - und oft unausgegoren.

Hier nachzulesen: blog.litteratur.ch/WordPress/?

Mein Sohn war krank die letzten Tage, Fieber, Halsschmerzen. So weit, so normal. Heute aber hat er TikTok deinstalliert und mich nach Büchern (analog) gefragt. Und mein Hausarzt ist auf Urlaub. Eigentlich neige ich nicht zu übermäßiger Sorge ...

@sandhoferlitter @giesbert Dann wäre das auch geklärt, wollte ich nämlich schon seit Jahren mal fragen und habe immer wieder darauf vergessen.

@giesbert @sandhoferlitter Im übrigen scheine ich schlicht zu geschwätzig zu sein für dieses Format ;). Mit 500 Zeichen vermag ich gar nichts auszudrücken und bei der vierfachen Menge habe ich immer noch ständig den Eindruck, wichtige Nuancen nicht ausdrücken zu können. Vielleicht doch wieder mehr im Littblog. Irgendwo weiter oben fehlt ein "Kenntnis" - durch die Kopiererei.

@giesbert @sandhoferlitter zu den schönsten Momenten im Leben zu gehören: Etwas wirklich zu verstehen. In der Mathematik, beim Programmieren (das ich höchst rudimentär beherrsche), in der Philosophie. Und bei letzterer hat mir nach den genannten Verdächtigen (Nietzsche, Schopenh) zum einen Camus, noch mehr aber Popper Eindruck gemacht. Wieder deshalb, weil hier jemand etwas so erörterte, dass ich meinte, dem vollständig folgen zu können (ich glaube es war seine "Lösung" des Induktionsproblems).

@giesbert @sandhoferlitter genommen, aber keine Sekunde daran verschwendet, sie in der Realität zu verorten. Hingegen war ich restlos begeistert von meiner ersten Lektüre Hoimar v. Ditfurths: Auf den ersten Seiten (ich weiß nicht mehr welchen Buches) wurde Mimikry beschrieben und das man dieses "Verhalten der Art" eigentlich als intelligent bezeichnen könne. Ich war hin und weg, einfach, weil in dem Buch Erklärungen versucht wurden, Erklärungen, die mir einleuchteten. Mir scheint das immer noch

@giesbert @sandhoferlitter Gegen Glaubensdinge in religiöser Hinsicht war ich - warum auch immer - seit ich denken kann völlig immun. Man erzählt noch immer die Geschichte, als ich als 5jähriger (in erzkatholischer Familie) gefragt wurde, was ich denn nach dem Tod erwarte: "Das ist wie Schlaf ohne Träume." (Was eine kleine Krise auslöste und die Frage, wo ich derlei subversives Gedankengut wohl her hätte.) Und Supernaturalismus jeder Art habe ich als Märchen, Sagen etc. mit viel Vergnügen zur

@giesbert Und seine Auslassungen zur Weiblichkeit sind doch eher peinlich - ähnlich wie bei Nietzsche - und geprägt von Unsicherheit und Hilflosigkeit (und dem prekären Verhältnis zu Mama), wenngleich für unschuldiges Provozieren ein probates Mittel ;-). - Ganz nebenbei: Ich bin hier derzeit noch mit der Technik überfordert, jedenfalls ist die Reihe der Antworten irgendwie durcheinander gekommen. Ich werd's schon noch lernen - und verständlich sollte es trotzdem sein.

@giesbert Ich will noch nicht einmal Nietzsche insgesamt verdammen, sein Werk scheint mir eine fortgesetzte Kompensation von Minderwertigkeitskomplexen, Unsicherheiten und er erschuf sich einen Übermenschen, der er gerne gewesen wäre. Russell hat den martialischen Nietzsche wunderbar charakterisiert: 9 von 10 Frauen hätten ihm die inkriminierte Peitsche aus dem Zarathustra weggenommen.

Schopenh hatte (für mich) einen ähnlichen Reiz, er war der erste Philosoph, den ich zu verstehen glaubte. Die Parerga und Paralipomena war das zerlesenste Reclamheftchen in meinem Besitz (anderes las ich erst später). Aber Schopenh hat auch viel für mich verloren, er neigte dazu, seinem System alles unterordnen zu wollen und seine Verachtung für den "großen Haufen" vermag er zwar pointiert auszudrücken, das ist aber nicht unwesentlich von seinem bescheidenen Erfolg als Philosoph geprägt.

@giesbert Natürlich liest man mit 16 Nietzsche - und kokettiert mit dem elitären Gehabe (vor allem dann, wenn einem der Rest der Welt ständig erklärt, dass man nichts kann oder ist - wie es bei mir war). Dann liest sich "warum ich so klug bin", "warum ich so gute Bücher schreibe" ganz angenehm und man kann verächtlich auf das Gegenüber blicken, das das Zitat nicht erkennt.

Postfaktisches und Wahrheitstheoretisches. Hoffentlich nicht zu sperrig. Offenkundig aber scheint, dass die Philosophie in den letzten 40 Jahren von Fortschritten weitgehend unbeleckt geblieben ist. Eigentlich traurig, denn Philosophie inkl. wissenschaftlicher Unterfütterung könnte nicht nur erhellend sein, sondern auch Spaß machen.

Thomas Zoglauer: Konstruierte Wahrheiten. Wahrheit und Wissen im postfaktischen Zeitalter. blog.litteratur.ch/WordPress/?

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