Für das menschliche Überleben bei Hitze ist die Feuchtkugeltemperatur oder Kühlgrenztemperatur ein wichtiger Wert.

Man misst sie mit einem Thermometer, dessen Kugel mit einem feuchten Tuch umwickelt ist (daher Feuchtkugelt.).

Es ist die Temperatur, auf die sich ein Körper durch Verdunsten abkühlen kann.

Sie hängt von der tatsächlichen Temperatur und der Luftfeuchte ab; bei 100% Luftfeuchte sind beide gleich, ansonsten ist die FKT niedriger als die T.

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Folgen

Der Mensch kann zwar hohe Lufttemperaturen über der Körpertemperatur (37°) überstehen, wenn sich der Körper durch Schwitzen kühlen kann.

Wenn aber die Feuchtkugeltemperatur über 37°C liegt, dann ist es physikalisch nicht mehr möglich, sich durch Schwitzen zu kühlen.

Schon ab etwa 30° kann es tödlich sein.

Zum Glück ist bei Hitze die Luft meist trocken, sodass diese FKT kaum erreicht werden (es gibt aber einzelne historische Beispiele).

Mit der könnte es öfter passieren.

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(Thread geht doch weiter...)

Die Feuchtkugeltemperatur kann man z.B. bei @kachelmannwetter ansehen.

Die Karte für Deutschland zeigt FKT um 20°C, also deutlich geringer als die 2-m-Temperatur (jetzt um 30°C) und noch weit vom physikalisch tödlichen Bereich entfernt. Für Indien habe ich aber schon Karten gesehen mit einer FKT in den oberen 20ern, da ist dann fast keine Kühlung mehr möglich.

kachelmannwetter.com/de/messwe

(3/n)

Wie gesagt, wenn sich die Feuchtkugeltemperatur 30°C nähert (durch hohe Luftttemperaturen bei hoher Feuchtigkeit), dann hilft weder Schwitzen noch feuchte Umschläge oder so, da sich der Körper einfach physikalisch nicht mehr durch Verdunsten kühlen kann und unweigerlich überhitzt.

Man kennt das ja auch im Prinzip, dass trockene Hitze leichter erträglich ist als schwüle; dabei geht es aber selten weit über 20°.


(4/4 Ende)

Jetzt ist der Thread aber wirklich zuende, weil ich was anders tun muss...

Wie immer bitte gerne Fragen ud Rückmeldungen, ich weiß ja nie sie recht, wie das ankommt bzw. ob es verständlich ist.

@StephanMatthiesen Wie ist es denn heute in Edinburgh? Konntest du die Heizdecke ein bisschen runterregeln?

@ak_text Stufe 1. Jetzt geht's gerade ohne, weil ich was warmes esse.

@StephanMatthiesen Danke für diesen Thread, sehr verständlich erklärt. 👍

@StephanMatthiesen Das war sehr interessant und verständlich. Danke dafür! 👏🏻

@Rako_Lohgar @StephanMatthiesen

Dem Lob schleße ich mich gerne an.
Eine spannende Info, wieder etwas dazu gelernt.

@StephanMatthiesen

Ach schau mal guck, da red ich seit Jahren immer wieder von der Wet-Bulb-Temperature und wusste gar nicht, dass es bei Kachelmannwetter dafür sogar Karten gibt. Danke 😊

Auf meinem Profil findet sich auch ein angepinnter längerer Post zur Prognose für Jahresdurchschnittstemperaturen in ein paar Jahrzehnten... Auf der Weltkarte sind bei aktuellem Kurs dann viele Regionen um den Äquator so tödlich wie heute nur fieseste Ecken der Sahara... (aus der Studie "Future of the human climate niche").

Auf der englischen Wikipedia Seite zur FKT/WBT steht mein ich auch eine kleine Tabelle mit bisherigen Rekordwerten... Geht in die 30er... :/

@MurmeltHier
Ich denke, die FKT ist noch viel zu wenig bekannt, bzw. überhaupt auch die Rolle anderer Faktoren als der eigentlichen Lufttemperatur für das menschliche Befinden.

@StephanMatthiesen

Definitiv. Vielleicht braucht es im deutschen Sprachraum erst die Etablierung einer einfacheren Skala wie dem Heat Index.

Immerhin gut: das schon seit langem zusätzliche UV-Warnungen raus gegeben werden. Und meine auch irgendwo schon einmal über Karten zum Luftdruck bezüglich Wetterfühligkeit gestolpert zu sein.

Glaub wir brauchen Menschen, die all diese Dinge vereinfacht erklären mehr denn je.

@MurmeltHier

Die Kachelmann-Seite gefällt mir, weil sie sämtliche Variablen hat; andere Wetterdienste zeigen ja nicht mal mehr Karten.

Die FKT hat m.E. den Vorteil, einfach und physikalisch definiert zu sein und es sind weltweit leicht Daten verfügbar.

Der Heat Index ist in gewisser Weise anchaulicher und relevanter für die Gesundheit, aber die Formel macht implizit Annahmen über den Körper, die individuell oder kulturell auch anders sein können.

Alles etwas komplex! :mastozany:

@MurmeltHier
Im Deutschen gibt's die gefühlte Temperatur, aber die finde ich jetzt sogar auf der DWD-Website nicht. Da sind eh irgendwie wenig konkrete Daten vorhanden.

@StephanMatthiesen

Ist die "gefühlte Temperatur" fest definiert? Hatte da bisher noch nichts gelesen in der Richtung, nur das scheinbar ggf Windchill-Effekt dabei berücksichtigt wird.

@MurmeltHier
Naja, jedes Land definiert es anders, also die gefühlte T in Deutschland ist nicht unbedingt die gleiche apparent T oder "feels like temperature" vom UK MetOffice.

In Deutschland geht es auf das Klima-Michel-Modell zurück, wo ein deutscher Michel (ein spazierengehender Mann) als typisch angenommen wird. Stammt aus den 1970ern, bin mit der aktuellen Lage nicht soo vertraut.

@MurmeltHier

Dass verschiedene Wetterdienste andere Formeln für ihre gefühlte Temperatur verwenden, liegt auch an verschiedener Kultur und Umwelt. Also für Spanien (leichte Kleidung, Siesta zur Mittagszeit) ist der deutsche Klima-Michel (Spaziergang im Anzug) vielleicht nicht so passend.

Aber es verringert die Vergleichbarkeit und meines Wissens sind Versuche eines Universal Thermal Climate Index (UTCI) nicht weit gekommen.

Hier ist ein Artikel dazu:
dx.doi.org/10.1007/978-1-4020-

@StephanMatthiesen

Zugegeben, ist es auch extrem schwer bei all den Variablen ein für alle und überall passendes System zu finden. Werd mal reinlesen. 🧐

@MurmeltHier
Es ist auch die Frage, was praktisch gebraucht wird. Ich habe vor einigen Jahren in meinem Uni-Job Konferenzen dazu organisiert; Forscher wollen natürlich die physikalischen VAriablen genau charakterisieren, aber was die Gesundheitsfolgen angeht, ist es den Praktikern (Notdienste usw) anscheinend eher egal, ob sich die Indices um en paar Grad unterscheiden, zum Planen genügt ein grober Bereich, weil es dann eh auf die lokale Situation ankommt.

@MurmeltHier
Will sagen, die Notdienste haben nicht nach noch genaueren Temperaturdaten oder Klimaindikatoren gefagt, sondern brauchen bessere Daten, wo in einer Stadt die gefährdeten Personen leben, wo die Bausubstanz schlecht ist usw.

Bei früheren Hitzewellen sind viele gestorben, weil die Not- und Sozialdienste viele Betroffene einfach nicht erreicht haben, etwa alleine lebende ältere Menschen.

@StephanMatthiesen
man kann sich das gut vorstellen, wenn man an ein Ei denkt, bei dem die Außentemperatur erhöht wird: es denaturiert, und ebenso werden denaturieren die Enteigneten, die keine kühlen Räume und kein Geld für Ventilatoren haben.

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