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Über 50° in Spanien? Ich sehe, es gehen gerade wieder Karten um mit solchen Temperaturen.

Sie sind zwar korrekt, es handelt sich aber um die der Bodenoberfläche, die mit der Lufttemperatur aus den Wetterberichten nicht direkt vergleichbar ist.

(kurzer Thread, 1/n)

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Es werden verschiedene Landtemperaturen gemessen. Im Wetterbericht erscheint die Lufttemperatur, die in 2 m Höhe auf freier Fläche über Gras gemessen wird. Sie wird auch 2-m-Temperatur oder LSAT (land surface air temperature) genannt.

Satelliten dagegen können diese Lufttemperatur nicht direkt messen; sie messen die Wärmestrahlung, die vom Boden ausgeht, die dann in die LST (land surface temperature) umgerechnet wird.

(Abb aus Geosci. Instrum. Method. Data Syst., 2, 305–321, 2013)

(2/n)

Wie man im Alltag an der aufgeheizten Straßenasphalt oder Blechdächern merkt, können sich Oberflächen in der Sonne sehr stark erwärmen; die Luft darüber erwärmt sich dadurch zwar auch, aber die Temperaturen sind meist sehr verschieden.

Es ist nicht einfach, die Wärmestrahlung (Infrarot), die die Satelliten messen, in Bodentemperaturen umzurechnen, weil man dazu die Eigenschaften des Bodenmaterials kennen muss.

Die Zahl ist also nicht die, die man mit Thermometern messen würde.

(3/n)

Die Karten, die ich gesehen habe, stammen von EU-Erdbeobachtungssystem Copernicus, und in der Ecke steht auch "Land Surface Temperature"; es sind also Satellitendaten, die die Bodentemperatur (LST), nicht die Lufttemperatur (LSAT, Land Surface Air Temperature) angeben.

Es ist also in Spanien nicht (im üblichen Sinne) "über 50°C"., und es ist ziemlich unmöglich, diese Daten in Lufttemperaturen umzurechnen.

Dennoch zeigen sie natürlich, dass es sehr heiß ist.

(4/n)

Wer sich für die verschiedenen Oberflächentemperaturen interessiert, wie man sie misst, wie sie miteinander zusammen hängen und wie man ihre Beobachtung verbessern kann, sei auf diesen Fachartikel verwiesen.

gi.copernicus.org/articles/2/3

Das war das Ende des Temperatur-Threads (habe die Nummerierung vergessen).

Fragen bitte gerne (wobei ich nachher noch anderes vor habe und nicht immer reinhöre).

Jetzt ist mir doch noch mehr eingefallen...

Satelliten können also aus technischen Gründen nur die Bodentemperatur (LST) bestimmen. Da Satellitenpixel aber groß sind (weiß gerade nicht, wie groß in diesem Fall, einige hundert Meter vielleicht) deckt jedes Pixel meist verschiedene Bodenformen ab (Straßen, Wiesen, Bäume usw.). Die Bodentemperatur variiert sehr und die Sat-daten werden evtl. von wenigen Flächen demoniert.

(6/n)

Für unser Wohlbefinden ist die Luftemperatur (also LSAT)

Für unser Wohlbefinden ist dagegen die Lufttemperatur (LSAT, land surface air temperature), weil das eben die Temperatur ist, von der unser Körper umgeben ist.

Sie wird, wie gesagt, auf offenem Gras in 2m Höhe gemessen, variiert aber natürlich auch stark räumlich (Schatten, usw.).

(7/n)

Das tatsächliche Wohlbefinden und die gesundheitlichen Auswirkungen hängen nicht nur von der Luftemperatur ab sondern auch von der Luftfeuchte, der Windgeschwindigkeit und auch der direkten Wärmestrahlung, der man ausgesetzt ist (etwa in der Sonne).

Man versucht, diese Faktoren zu verrrechnen zu einer "gefühlten Temperatur" (die auch im Wetterbericht stehen), aber das geht nicht wirklich genau, weil es extrem von den individuellen Verhältnissen abhängt.

(8/n)

Letztlich beruht das Wohlbefinden nicht auf der Temperatur, sondern auf dem Wärmeaustausch des Körpers mit der Umgebung.

Für die gefühlte Temperatur verwenden verschiedene Wetterdienste verschiedene Berechnungsmodelle.

Das DWD hat dazu das Klima-Michel-Modell, das einen typischen Menschen (den "Michel") simuliert, der eine in Deutschland übliche Kleidung trägt. Es gibt andere Modelle.

(9/n)

Wie man sich am Klima-Michel-Modell schon denken kann, ist die Berechnung der gefühlten Temperatur ziemlich pauschal; der Klima-Michel ist 1,75m groß, trägt eine bestimmte Kleidung und bewegt sich leicht (Spaziergang). Klar, dass z.B. Bauarbeiter ganz andere Verhältnisse haben.

Es gab Versuche, einen allgemeinen Komfortindex zu erstellen, ist aber nicht gelungen.

Dennoch gibt die gefühlte Temperatur zumindest einen Eindruck der tatsächlichen Wärmebelastung.

(9 - jetzt echt Ende)

@StephanMatthiesen
Die 50°C bedeuten also, dass barfuß derzeit eine ganz schlechte Idee ist?

@RyunoKi Auf der Wiese oder im Wald evtl schon (wenn er nicht abbrennt). Die Pixel der Satellitendaten bilden ja jeweils große rechtecke (weiß nicht, wie groß in dem Fall, einige hundert Meter oder ein Kilometer oder so) ab. Da kann die gemessene Wärmestrahlung von einer Straße oder Siedlung dominiert werden, während es in der Natur kühler ist. Wie gesagt, es ist kompliziert.

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